Über Echos
Horror ist die hässliche Stiefschwester der Literatur. Wir machen uns über ihre Grauslichkeit lustig und zwingen sie, sich die Zehen abzuschneiden. Damit sie in unsere Schüssel zerbrochener Schönheit passt.
— Ariane Saltoris
Hallo, ich bin Ariane Saltoris, geboren und aufgewachsen in Rio de Janeiro, Brasilien, und seit dem Winter 2006 in Deutschland.

Ich bin ausgebildete Schauspielerin und Theaterregiesseurin, Horrorliteratur-Forscherin, spendiatin der Stadt Berlin in 2020, Verlagsautorin, Vollkskundlerin und Gründerin von Caipora Books. Aber das Fundament von allem ist Ariane, die Mutter, die alle anderen zusammenhält und ihnen Richtung gibt.

Echos der Empathie entstand 2015 — dem Jahr, in dem syrische Geflüchtete nach Deutschland kamen.

Eine junge deutsche Frau sprach mich in dem Fitnessstudio an, in das wir beide seit Monaten zur gleichen Zeit gegangen waren. Aus unseren Gesprächen wusste sie, dass ich ausgebildete Schauspielerin und angehende Theaterregiessuerin war. Sie erzählte mir, dass das Amateurtheater dieser kleinen Stadt Geflüchtete für Aktivitäten aufnahm, und fragte, ob ich helfen wollte. In ihrem Kopf hätte ich gute Ideen, was man noch tun könnte.

Sie hatte recht. Ich hatte sie. Und genau das war das Problem.
Wir trafen uns eines Tages zum Kaffee und ich legte ihr meine Idee dar. Sie war begeistert: „Das ist es genau!", sagte sie.

Voller Zuversicht vereinbarten wir einen Termin mit dem Leiter des Amateurtheaters. Er empfing uns bei sich zu Hause, kochte Kaffee und bot Kekse an. Alles nett und freundlich. Bis ich ihm meine Idee erzählte:
Ich wollte ein Theaterstück erarbeiten — nicht für das Ergebnis, sondern für den Weg dorthin. Wer jemals auf der Bühne gestanden hat, weiß: Die eigentliche Arbeit ist nicht das Erlernen einer Rolle. Es ist das, was davor kommt, dazwischen und darunter. Ich wollte eine Dolmetscherin und eine Therapeutin hinzuziehen. Ich wollte wissen, wie man die Menschen richtig anspricht. Wir würden herausfinden, was die Menschen dort an ihren Heimatorten liebten, welche Geschichten sie zu erzählen hatten, wer sie waren. Es sollte ein Gemeinschaftsprojekt sein, bei dem jeder das einbringt, was er am besten kann — und deutsche Jugendliche auf die Bühne bringt, um mit syrischen Jugendlichen zu interagieren.

Der Mann war schockiert: „Sie sind Schauspielerin, junge Frau, Sie haben Künstlerideen." (Nun ja. Das war ja gewissermaßen der Punkt.)

Ich entgegnete, dass ich genauso fremd in diesem Land sei wie die Geflüchteten. Er sagte: „Diese Menschen haben furchtbares erlebt."

Was stimmte. Deshalb hielt er es für angemessen, traumatisierte Menschen ohne Perspektive oder Heilungswerkzeuge den ganzen Tag stricken zu lassen.

Ich wünschte, es wäre ein Witz. Ist es nicht.

Er nahm mich nicht in den Kreis der Freiwilligen auf. Die junge deutsche Frau, die mich dorthin gebracht hatte, war sprachlos. „Ich kann nicht glauben, was gerade passiert ist. Das war die Idee."

Das war es, und wir wussten es beide. Aber was weiß ein Immigrantenmädchen wie ich schon über Migration, nicht wahr?

Ich wusste, dass ich die bessere Methode hatte. Und diese Idee ließ mich nie los. Sie hat mich jahrelang zermürbt. Und nun, hier sind wir.
Denn ich glaube immer noch, dass die ethische und kontrollierte Konfrontation mit Monstern der einzige Weg ist, uns zusammenzubringen. Heute mehr denn je.

Ab 2015 suchte ich immer wieder nach Wegen zu besseren Gesprächen. Ich bin kein guter Samariter, aber ich bin Künstlerin — und Künstler:innen sind hungrig nach Veränderung.

Auf meinem Weg zur veröffentlichten Horrorliteratur-Autorin und akademischen Forscherin stieß ich auf Peer-Dissertationen, die mich entflammten. Sie zeigten mir, wie ich auf sinnvolle Weise zu meiner Gesellschaft beitragen kann — mit dem, was ich im Leben am liebsten tue: in den rot-verschmieten Linien dunkler Geschichten zu Baden.
Ich sammelte Geschichten, perfektionierte das Argument, überprüfte die Ansätze, die Bildungseinrichtungen und Unternehmen besser dienen würden.

So wurde Echos der Empathie geboren: schwer, gesund und aus vollen Lungen schreiend.

Ich könnte nicht stolzer sein, und es wäre mir eine Ehre, Ihnen zu helfen, diese Lücke zu schließen.

Sie müssen nur die Tür öffnen — und mich die Monster handhaben lassen.

Der Aha-Moment

Ich beobachtete, wie Leiter:innen von Migrationsinitiativen aus erster Hand über ihre Erfahrungen sprachen...
Wegweiser Media & Conferences GmbH, Berlin.
Ich war nicht beeindruckt, ich war erschüttert.

Vor einigen Jahren moderierte ich eine Diskussion zum Thema Migration bei Wegweiser, einem renommierten Konferenzzentrum in Berlin, dank Herrn Oliver Lorenz, dem Geschäftsführer des Unternehmens, der glaubte, dass ich den Teilnehmenden einen bereichernden Tag bereiten würde. Und das tat ich. Das taten wir.

Es begann damit, dass ich auf der Bühne sagte, die Menschen seien diesmal nicht zum Zuhören da — sondern zum Reden. Ich konnte sehen, wie sich viele Gesichter aufhellten.

Und, ja, sie redeten.

Ich hatte an diesem Tag viele wertvolle Erkenntnisse, aber drei blieben mir besonders im Gedächtnis.

  • Eine ältere Frau sagte wütend, Deutschland solle aufhören, so viel Aufhebens zu machen und über die Ungleichheit von Frauen in nahöstlichen Ländern zu reden, während Frauen in diesem Land noch weit davon entfernt seien, als gleichberechtigt behandelt zu werden.
  • Eine ukrainische Frau sagte lächelnd und sehr selbstbewusst: „Ich bin nicht deutsch. Ich lebe hier, ich tue alles Richtige, das ist mein Zuhause — aber ich bin nicht deutsch. Und ich will es auch nicht sein."
  • Ein Mann Anfang dreißig, blond und blauäugig, schaute mich intensiv an. Er war in England geboren und aufgewachsen. Seine Frau war halb deutsch wie er und hatte meine olivfarbene Haut — sie war in Deutschland geboren und aufgewachsen, aber er war derjenige, dessen Herkunft nie in Frage gestellt wurde, weil er hellhäutig war.
  • Mir gegenüber rückte ein Mann auf seinem Stuhl herum. Er war unruhig — ein deutscher Mann in seinen Sechzigern, ein Zuhörer, kein Teilnehmer. Er rutschte ein wenig in seinem Stuhl zusammen, die Arme verschränkt. Das Bild des Unbehagens. Und was er als Nächstes sagte, war die Nadel, die alles in Bewegung setzte — der Moment, der diese Konferenz für unschätzbar gemacht hat. Er sagte, unbeholfen, defensiv, ohne mich ganz anzuschauen: „Naja, wenn ich Sie so anschaue, kann ich ja nicht wissen, dass Sie einen deutschen Pass haben, oder?"

Bingo. Da war es. Wegen meiner Hautfarbe werde ich nicht als deutsch wahrgenommen — egal ob ich hier geboren bin oder nicht. Ich bin es nicht, also war es mir nicht so wichtig. Aber was ist mit denen, die deutsch sind und zufällig braun sind? Wie fühlen die sich?

In diesem Bruchteil einer Sekunde wusste ich: Über Probleme und Unterschiede zu reden würde die Menschen öffnen. Es würde sie beschämen. Und Scham ist ein klebriges Gefühl, das nicht so schnell verschwindet — es mutiert. Wird in manchen Fällen zur Abneigung.
An diesem Tag bemerkte ich, wie viel noch getan werden muss — für beide Seiten.

„Vielleicht", dachte ich, „braucht es eine seltsame Person mit sehr ‚verrückten Ideen', um den fruchtbaren Weg zu erleuchten, den die Menschen nicht einmal wissen, dass er existiert."

Und genau das habe ich getan.

© 2026 All Right Reserved.
Editora Caipora LTDA / Caipora Books
quill@caipora-books.com
Made on
Tilda